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Mein Weg zum RYA Yachtmaster offshore – Teil 1: Navigation

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Praxisorientierte Navigation beim RYA Yachtmaster offshore

Vergleich Yachtmaster offshore und Sportseeschifferschein in der Navigation

Vor dem britischen Segelschein dem RYA Yachtmaster offshore und der damit verbundenen Navigation war mein letzter absolvierter Segelschein der deutsche Sportseeschifferschein (kurz SSS). Beide Qualifikationen liegen auf etwa dem gleichen Niveau was den Geltungsbereich und die Schwierigkeit der Prüfung angeht. Der britische Schein wird vom Royal Yachting Association herausgegeben, der deutsche Schein vom Deutschen Segler Verband und vom Deutscher Motoryacht Verband.

Navigation beim Sportseeschifferschein (SSS)

Im Unterschied zum Yachtmaster ist die Navigation beim Sportseeschifferschein (SSS) sehr theoretisch angelegt. Da werden konstruierte navigatorische Ausnahmefälle mit möglichst vielen Fußangeln und Fallstricken versehen, Präzision bis zum Höchstmaß verlangt, um Durchfallquote und das sogenannte “Niveau” hoch zu halten.

Navigation durch den Englischen Kanal beim Sportseeschifferschein

Es gibt durch die Prüfungsaufgaben fix bestimmte Ausgangsdaten wie z. B. die Startzeit der Segelreise, Zeitzone und Basis der Quelle der Tidenangabe (Seekarte oder Gezeitenstromatlas). Von dort an muss der Prüfling über eine Strecke durch den Tag präzise über die Papier-Seekarte navigieren und eine Zielposition punktgenau treffen. Solche ausgefeilte Navigation funktioniert vielleicht am Schreibtisch, doch auch in diesen unrealistischen Prüfungsbedingungen fallen die Hälfte aller Prüflinge im Teilbereich “Navigation”  vor allem durch Folgefehler durch. Ich kann mich noch sehr genau erinnern, wie ich mich monatelang auf diese Aufgaben gedrillt habe. Bis ich wirklich alle Klippen in diesen Aufgaben sicher umschiffen konnte. Kein Mensch navigiert so in der Praxis wenn es darauf ankommt: Wenn nämlich Wellenberge Dir unter Deck die Navigation verübeln und Du bei aufkommender Seekrankheit nicht in der Lage bist, lange Rechnungen durchzuführen. Die übergenaue deutsche Gründlichkeit ist dann eher fehl am Platz.

Navigation beim RYA Yachtmaster offshore

Auf die reale Situation auf der Yacht konzentriert sich die Navigation beim Yachtmaster offshore in Ausbildung und Prüfung. Schnelle einfache Rechnungen, praxisorientiert und zielgerichtet. Frei nach dem Motto: Navigation ist, wenn man trotzdem ankommt. So einfach und schnell wie möglich und so präzise wie nötig.

Realistische Prüfungsbedingungen beim Yachtmaster offshore Navigation

Die Navigation einfach und intuitiv zu gestalten und damit allen an Bord einen klaren Plan zu vermitteln, ist gar nicht so einfach, wie es zunächst scheint. Vor allem dann, wenn man vorher durch das deutsche System verschult wurde. ;-)) Man muss seinen Plan (Passage Plan) ausdenken und durchdenken und auf die möglichst einfache Eckpunkte herunterbrechen. Dabei kann man den vor allem in Tiden-Gewässern wichtigen Startzeitpunkt der Reise frei wählen. Gefahren wie starke Strömungen gegen die Fahrtrichtung, Wind gegen Strom oder Strömung auf eine Gefahrenstelle zu muss man im Voraus erkennen und ausschließen. Die Lösungen solcher Aufgaben sind natürlich nicht Laborbedingungen denkbar in denen es ein mathematisch richtiges oder falsches Ergebnis gibt. So habe ich in einer Übung zur Zeit des kenternden Stroms einfach eine Mittagspause eingeplant. Für das deutsche System wäre solch ein Lösungsansatz, der sich auch um das leibliche Wohl der Mannschaft kümmert falsch.

Phantasievoll ist alle Theorie beim RYA Yachtmaster offshore

Grau ist alle Theorie? Mitnichten! Besonders interessant empfand ich die mit viel Phantasie erstellten Übungskarten bei den Navigationsaufgaben. Statt einer Seekarte von der Nordsee wie beim Sportküstenschifferschein (SKS) oder einer Karte vom Englischen Kanal wie beim Sportseeschifferschein (SSS) nutzt die RYA eine aus verschiedenen Häfen und Regionen zusammengestellte Phantasiewelt.

Übungskarte 3 der RYA Northern Territories and Southern Peninsula beim Yachtmaster offshore NavigationEs ist die Welt der Northern Territories und Southern Peninsula. Die Anlieger in bestimmten Regionen werden so weniger bevorzugt und es können alle Herausforderungen der Navigation behandelt werden, welche in einzelnen Regionen mehr oder weniger auftreten. Es mangelt nicht an Inseln, Riffen, Gefahrstellen und Verkehrstrennungsgebieten. Passend zur Karte gibt es Gezeitentafeln mit Gezeitenkurven, Standard- und Anschluss-Häfen und Strom-Atlas. Aber alles macht eben einen aufgeräumteren Eindruck. Ganz offensichtlich will man im britischen System Wissen vermitteln und nicht Segelschüler drangsalieren. In meinen Übungen bin ich von Hamilton Sound nach Dawson Habour navigiert und für die Prüfung dann von Victoria nach Whale Bay Marina. In beiden Aufgaben musste der Zeitpunkt des kenternden Stroms zurückberechnet und damit der ideale Auslaufzeitpunkt geplant werden. Das waren alles in allem sehr spannende und herausfordernde Arbeiten. Es war aber nicht die überpingelige verkopfte Art der deutschen Aufgaben. Es hat sogar richtig Spaß gemacht, durch diese Phantasiewelt zu navigieren.

Fazit:

Noch während des Segelkurses zum SSS habe ich mir geschworen: Hier ist Schluss! Das wird der letzte Schein im deutschen System. Ganz besonders die Navigation ist haarsträuend verkopft! Während des Theorie-und Praxiskurses zum Sportseeschifferschein (SSS) vorletztes Jahr in Breege habe ich Sebastian kennengelernt (im Bild unten rechts). Sebastian besaß zu diesem Zeitpunkt bereits den RYA-Yachtmaster offshore. Er schwärmte von der intuitiven britischen RYA Ausbildung, brauchte aber Kraft deutschen Gesetzes einen Sportseeschifferschein zur Eröffnung einer Segelschule in Cuxhaven. Bei bitterster Kälte quälten wir uns Ende März über den Bodden von Breege und bestanden die jeweils halbstündige praktische Prüfung und strahlten entsprechend. Meine Prüfung zum RYA-Yachtmaster offshore vor Korfu hat 14 Stunden gedauert von 10 bis 24 Uhr und ich meine, das ist eine realistischere Prüfungssituation. Es gibt einen Grund weshalb der britische RYA Yachtmaster offshore weltweit anerkannt wird, während der deutsche Sportseeschifferschein an den Grenzen Europas seine Bedeutung verliert: Das deutsche System produziert perfekte Schreibtisch-Segler, das britische Seeleute, die am Ende eines langen langen Segeltages ganz gleich bei welchen Bedingungen sicher zurück in den Hafen finden.

Nach der praktischen Prüfung zum Sportseeschifferschein SSS in Breege

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