Segelreisen

Die erste Korfu-Segeln Flottille!

Meine erste Flottille im Ionischen Meer

Als ich 2010 zum ersten Mal ins Ionische Meer nach Korfu kam, hatte ich zwar schon einige Jahrzehnte Segelerfahrung, aber als Skipper eben nur auf Papa`s Boot auf der Ostsee und auf Jollen auf Binnenseen. Den Sportküstenschifferschein (SKS) hatte ich erst wenige Monate vorher abgelegt und das Chartern, noch dazu im Ausland, war völlig neu für mich. Regionale und auch technische Unterstützung während der Segelwoche war mir sehr wichtig und ich entschied mich für eine Flottille von „Sunny Sailing“, einer holländischen Chartergesellschaft.

Ich hole die Fahne auf! Druckfrische Fahne und zum ersten Mal beim Flottillentörn 2019 im Einsatz

Es gab keine deutschen Flottillen mit deutscher Flottillenbegleitung. Die gibt’s ab Korfu bis heute nicht, na ja – bis letzte Woche zu mindestens. Und das Ionische Meer ab Korfu sollte es unbedingt sein: Perfekte Einsteigerbedingungen mit leichten vorhersagbaren Winden, toller Badespaß für meine Tochter und kulinarische Highlights sowie griechische Lebensart reizten mich und meine Familie. Der Törn war genau so wie erhofft: wunderschön! Wieder und wieder und immer wieder kam ich hierher, einzelne Törns an der Ostsee und Kroatien blieben Ausnahmen.

Start der Flottille 2019

Von Korfu nach Sagiada

Die Korfu-Segeln-Flottille 2019 startet klein aber fein mit 2 Schiffen: Sissi und Rapsodia.

Segelyacht Sissi am Bug vor Anker

Rudi und seine Crew ist auf der Segelyacht “Sissi” unterwegs. Mit an Bord sind: Skipper Rudi, Birgit, Max, Alex, Emilia, Stephan, Marianna, Renate, Jeremias und Konrad. Für Rudi sollte es wie für mich damals der erste Törn als Skipper sein.

Die Crew der Rapsodia: Antje, Peggy, Marta, Astrid, August, Florian und ich als Skipper & Flottillenleiter

Auf der Segelyacht Rapsodia bin ich als Skipper und Flottillenleiter, Antje, Frida, Astrid, Florian, Peggy, Marta und August. Wie immer bei meinen Törns ab Korfu geht es in Gouvia-Marina los. Tagesziel für Samstag: Sagiada, das kleine verschlafene Nest ganz im Nordwesten Griechenlands und direkt östlich von Korfu-Stadt. Legendär in Sagiada ist ein Restaurant am Hafen mit den wohl weltbesten Garnelen und Tintenfischen – so zu mindestens die Aussage verschiedenster Gäste, egal ob aus Leipzig, Dresden oder New York.

Von Sagiada nach Lakka

Nach dem Bade am Morgen heißt es Segelsetzen, denn ein dunkelblauer Streifen zeigt sind am Horizont auf dem Wasser. Als der Streifen, der so deutlich von Wind kündet, breiter und auch noch durch weiße Tupfer (Schaumkronen) gekrönt wird, heißt es Rettungswesten und Lifebelts anlegen. So starker Wind war gar nicht angesagt? Er steigt weiter auf über 20 Knoten. Na ja, das reicht auf jeden Fall für unser nächstes Tagesziel: Lakka auf Paxos. Nach den ersten Segelstunden bis Lefkimi heißt es verschnaufen. Bis auf mich selbst und meine Tochter war niemand zuvor länger auf einem Segelboot. Am Abend sollte der Wind aber nachlassen und auf Nord drehen. Rudi macht unterdessen Badepause in Syvota. Eine etwas ungünstigere Position für die Überfahrt nach Lakka, da nahezu Amwind-Kurs bei mittlerweile 30 Knoten Windgeschwindigkeit in der Winddüse zwischen Korfu und Lakka. Denn während man sich im Ionischen Meer sehr gut hinter den Inseln (Korfu, Paxos, Lefkas, Kefalonia) bei Starkwind und Welle verstecken kann, sind die Passagen dazwischen um so kräftiger. Diese Düse von der Südspitze Korfus bis zur Nordspitze von Paxos sorgt bei der vorherrschenden Windrichtung aus WNW für kräftigen Wind und durch die offene Passage für anständig Welle. Gegen 18 Uhr drehte der Wind so weit auf Nord und schwächte etwas ab, dass ich diese Überfahrt meiner Crew zumuten konnte. Aber immerhin zeigten sich bis 25 Knoten Wind in den Böen und 2,50 Meter hohe Wellen.

Rudi und seine Crew werden kräftig durchgeschüttelt beim Am-Wind-Kurs bei einem für das Ionische Meer ungewöhnlich starken Wind.

Rudi ist unterdessen schon fast in Lakka angekommen, seine Mannschaft wird auf der Sissi beim Am-Wind-Kurs bei diesen Bedingungen allerdings mächtig durchgeschüttelt. Beim Raumschotkurs von Norden kommend gibt es für die Crew der Rapsodia nur unter Genua relativ moderate Bedingungen. Meine Crew betrachtete die Wellen natürlich ehrfürchtig – der kräftige Wind wird aber gar nicht so bedrohlich wahrgenommen, da raumschots deutlich abgeschwächt. In Lakka angekommen offenbart sich das wunderschöne Türkis dieser Bucht. Es lud am nächsten Morgen zum ausgiebigen Bade und zum Schnorcheln ein. Beeindruckend ist die Vielfalt der Unterwasserwelt von Lakka: Fische, Seesterne und Seeigel an den Steinen. Ein Petermännchen vergräbt sich unter unserer Yacht. Diesem kleinen grüngelben Fisch ist allerdings mit Vorsicht zu begegnen.

Prächtige Fische in der Bucht von Lakka auf Paxos

Gewitterneigung und Städtetour durch Gaios auf Paxos

Von Lakka nach Gaios

Nach dem starken Winden am Vortag geht’s es erst am Nachmittag nach Gaios weiter. Gemeinsam verlassen wir die Bucht von Lakka Richtung Süden. Das Ionische Meer zeigt sich nun von der typischen Seite: Sonnenschein und leichte Winde zaubern ein Lächeln auf die Gesichter der Segler. Der Leuchtturm an der Hafeneinfahrt von Gaios eröffnet den herrlichen Sund vor Gaios welcher perfekten Schutz vor dem vorhergesagten Gewitter am Abend verspricht. Man kann sowohl auf der Stadtseite östlich anlegen, was Strom- und Wasserversorgung ermöglicht, aber eine Hafengebühr von 23 EUR für Yachten egal ob 51 oder 45 Fuss nach sich zieht, oder auf der Westseite an der kleinen Insel mit langer Landleine.

In der Abendstimmung macht Laune auf flanieren entlang der Yachten im Hafen von Gaios

Häfen und Buchten gibt es im Ionischen Meer ansonsten an jeder Ecke ohne irgendeine Hafengebühr. Man legt in der Regel direkt vor den Tavernen an und darf während der Kellner die Landleinen annimmt, schon einmal das Anlegerbierchen ordern ;-). Gastfreundschaft wird in Griechenland in einem Maße zelebriert, wie ich es sonst nirgendwo anders erlebt habe.

Stadtbummel durch Gaios

Das Gewitter lässt bis zum Folgetag auf sich warten und gibt den Crews Zeit für die eine oder andere Partie „Schwarzer Peter“ und einen ausgiebigen Stadtbummel durch Gaios. Die kleine Perle an der Ostküste von Paxos verspricht tolle Stadtansichten in Pastelltönen und viele Einkaufsmöglichkeiten. Eine Fährverbindung nach Korfu und Parga ermöglicht auch Touristen eine Besichtigung, welche nicht per Segelyacht nach Gaios kommen.

Stadtbummel in Gaios

Von Gaios nach Parga und Antipaxos

Nach dem Hafentag kribbelte es den Crews schon mächtig in den Fingern auf der Suche nach weiteren Entdeckungen. Für die Crew der Sissi ging es zu den blauen Grotten an der Westseite von Paxos. In diesen Grotten kann man in eine Höhle hineinschwimmen oder auch mit dem Dingi oder SUP hinenpaddeln, welche dann wiederum den Blick auf den Himmel freigibt. Die Unterwasserwelt ist mit ihrem Artenreichtum ein Paradies zum Schnorcheln, sowohl in den Höhlen als auch davor.

 

Die Höhlen von Paxos aus der Vogelperspektive

Die Höhlen von Paxos eignen sich perfekt zum Hineinschwimmen

Mit dem SUP auf Höhlen-Entdeckungstour in den Höhlen von Paxos

Beeindruckende Höhlentour vor Paxos

Ausblick aufs Meer von den Höhlen von Paxos

 

Für Rudi geht`s nach Parga

Für Rudis Crew geht es nach dem ausgiebigen Badestopp weiter um die Insel Antipaxos herum und und nach Parga. Der Küstenort am griechischen Festland wartet mit allem auf was man von einem belebten Touristenziel erwarten kann. Bars, Cafés, Bekleidungs- und Souvenirläden in Hülle und Fülle und einem Postkartenblick von der Festung herab auf die Stadt und den Hafen.

Sonnenuntergang auf der Sissi in der Bucht von Parga

Vor Parga ankert man am Besten in der weitläufigen Ankerbucht westlich der FestungYachten ankern am Besten an der weitläufigen Bucht westlich der Stadt frei schwoiend vor Anker. Der Segler- und Fischerhafen ist leider wenig gepflegt und bietet im Innern nur wenige Plätze. An der Hafenmole kann man zusätzlich außen per langer Leine und vor Anker festmachen.

Wir segeln nach Antipaxos

Meine Crew wählte die Doppel-Bucht Voutoumi und Mesovrika auf Antipaxos, welche nicht nur herrlich türkisblaues klares Wasser, sondern an meiner Lieblingsstelle auch interessante Felsformationen mit Grotten am Ufer verspricht. Feiner weicher Sand ist am Boden der zum Ende hin knietiefen Grotte.

Meine Lieblingsanlegestelle an der Doppel-Bucht Voutoumi und Mesovrika auf Antipaxos mit imposanten Felsen und Grotte

Wer eine kleine Wandertour an Land von Voutoumi nach Mesovrika unternimmt, gelangt dann beinahe unfreiwillig auch zum Strand Vrika nördlich der beiden Anker-Buchten. An dem rostigen Motorrad heißt es LINKS für Vrika oder RECHTS für Mesovrika. Ankern ist an Vrika wegen des verlegten Seekabels untersagt, was einen eindrucksvollen und unverstellten Blick auf den Sonnenuntergang an dem um diese Stunde menschenleeren Strand ermöglicht.

Toller menschenleerer Sandstrand auf Antipaxos in der Bucht Vrika mit Bierchen – na ja…meine Füße gewinnen keinen Schönheitspreis mehr ;-(

Der feinste weiche Sand am Strand lädt zum Baden oder auch auf ein Bierchen zum Sundowner ein. Der Massentourismus sind um diese Zeit längst verschwunden, leider macht die Küche der Taverne bei Captain Spiros auch um 17:30 Uhr zu.

Nach Syvota

Abschied nehmen von Antipaxos

Am nächsten Morgen heißt es pünktlich Abschied nehmen von der traumhaften Bucht in Einsamkeit, denn spätestens um 10 Uhr treffen lautstark die ersten Ausflugschiffe mit Pauschaltouristen ein. Wer einmal die Ruhe, das Naturerlebnis und die Freiheit einer Segelreise erlebt hat, kann für Urlauber auf solchen Sardinenbüchsen nur noch Mitleid empfinden. Auch der Strand von Vrika ist dann voll.

Tagsüber ist der Strand von Vrika, ebenso wie die Doppelbucht Vourtoumi & Mesovrika stark frequentiert – wir ergreifen die Flucht: denn wir stehen auf Traumstrände ganz für uns alleine!

Ideale Segelbedingungen und tolle Badebucht in Syvota

Für die Crews geht’s nun auf nach Syvota und den vor der Stadt verstreuten Inseln mit den unzähligen Anker und Badebuchten. Bei 2 bis 4 Beaufort und Sonne satt segeln wir den Landmarken von Syvota entgegen. Passieren noch einmal Gaios an der Backbordseite und dann von Südwesten in das Archipel vor Syvota. Die kleine Bucht auf der Innenseite von Mourteméno ist mein Lieblingsspot für die Übernachtung vor Syvota. Komplett schwellfrei mit tollem Blick auf den Sonnenuntergang über den Inseln und klarem Wasser mit toller Flora und Fauna unter Wasser.

Mein Lieblingsspot in Syvota an der Innenseite vor Mourteméno: perfekte Abschirmung und kein Schwell, kein Wind aber unverstellter Blick auf den Sonnenuntergang

 

Sonnenuntergang bei Syvota in der Bucht vor Mourteméno

Piratenparty in Syvota

Waschechter Pirat bei der Piratenparty vor Syvota

Plötzlich staunten die Kinder nicht schlecht, als ein waschechter Pirat aus dem Gebüsch von Mourteméno sprang und etwas von einem versteckten Schatz faselte. Ab aufs SUP und in die Schlauchboote hieß es. Zunächst suchten die Kinder den ganzen Strand ab. Der Schatz lag allerdings gut versteckt oberhalb der Böschung und es machte etwas Mühe ihn zu finden. Um so größer war die Freude bei Max, Alex, Emilia, August, Frida, Martha und Astrid als er schließlich entdeckt wurde. Ein süßer Schatz! Von all dem Trubel der Piratenparty habe ich allerdings nichts mitbekommen, ich war auf unerklärliche Weise verschwunden…

Der Piratenschatz: gut versteckt aber goldglänzend und lecker!

Letzter Tag

Von Syvota nach Ormos Valtou

In Gouvia Marina auf Korf liegen über 1.000 Charterschiffe, welche zu größten Teil am Freitag Nachmittag tanken müssen. Die Tankstelle hat dann schon mal unangenehme Wartezeiten, wenn in der Hochsaison bis zu 2 dutzend Yachten davor kreiseln, anlegen, ablegen und tanken müssen. Wie bin ich froh, dass meine Partner die Betankung am Freitag auch am Morgen in Syvota gestatten. Nach einem Boxenstopp am Stadthafen von Syvota geht’s weiter nach Ormos Valtou, einer häufig übersehenen Bucht vor Igoumenitsa mitsamt langgestreckten Sandstrand an der Mündung des Kalamas. An der östlich liegenden Biegung des Strandes liegt die Beachbar Buckabucka mit Wassersportstation mit Bananaboat, Jetski und derleichen. Dort kann man die Yacht sehr gefühlvoll auf den feinen Sand am Strand fahren.

Hier ist ein besonderes Anlegemanöver ohne Kratzer möglich: Der Strand von Ormos Valtou

Liegestühle mit Sonnenschirmen laden zum Verweilen ein. Leider treffen auch hier gegen 12 Uhr die Partyboote ein. Wir fliehen etwas weiter östlich. Zum Glück ist das „Anker auf und ab“ mittlerweile im Handumdrehen von meiner Crew erledigt.

Die Taufe des Poseidon

Die Taufe des Poseidon am langgestreckten Strand von Ormos Valtou

Als auf die Sissi am Strand eintrifft, ankert und die Kinder ins herrliche Nass springen, ersteigt plötzlich der leibhaftige Poseidon aus den Fluten. Der Sage nach hat Poseidon mit seinem Dreizack die Insel Paxos von Korfu getrennt, um ein geschütztes Liebesnest für sich und seine Geliebte Amphitrite zu schaffen. Ob das mit dem Dreizack, gebastelt aus einem Bootshaken, einem Stück Draht und einer Rettungsdecke auch gelungen wäre? Ich glaube nein. Dafür reicht die güldene Rettungsdecke auch noch für Kopfschmuck mit Seegras und Lendenschurz mit Binsen zu fertigen.

Der Dreizack des Poseidon gefertigt aus einem Bootshaken, Draht aber noch vor der Ummantelung mit der Rettungsdecke

 

Poseidon 😉 vor der Taufe der Kinder: das Kostüm habe ich gefertigt aus einer Rettungsdecke, Binsen & Seegras

Ich selbst habe als Kind am Strand von Boltenhagen eine Neptun-Taufe erlebt und wurde als „Tischtennis verrückter Hammerhai“ betitelt. Nach einer kleinen Jagd werden die Kinder von Sissi & Rapsodia ordentlich mit der auf der „Sissi“ kreierten Soße „gesalbt“ und durch die Fluten am Strand „gereinigt“ und auf die Namen: „Strippenziehender Anglerfisch“, „Furchtloses Tauchsternchen“, „Hungrige Seeklapperschlange“, „Humpelnder Hummer“, „Navisupermax“, „Mr. Sailing-X“ und „SUP-Mermaid“ getauft.

 

 

Die Taufe des Poseidon

 

Poseidon nach getaner Arbeit am Strand von Ormos Valtou

 

Rückkehr nach Korfu

Irgendwann ist auch die schönste Reise zu Ende und wir erreichen am späten Nachmittag Gouvia Marina auf Korfu, dem Start und Zielort der Korfu-Segeln-Flottille. Die erste Flottille von Korfu-Segeln geht zu Ende. Allen Beteiligten sage ich vielen Dank für die Teilnahme – ganz besonders an Astrid und Antje für die tatkräftige und kreative Unterstützung! Vielen Dank an Rudi & seine Crew!
Learnings: Gegenüber einem Mitsegeltörn  braucht eine Flottille noch mehr Planung, aber vor allem einen strikteren Routenplan, damit die Schiffe auch zusammen bleiben oder bei Starkwind nicht in eine Am-Wind-Situation geraten. Dass ausgerechnet in der Woche an einem Tag Starkwind und am anderen Gewitter auftritt, ist sehr ungewöhnlich. Das wirbelte natürlich den Tourplan etwas durcheinander. Aber trotz den Wetterkapriolen: Es hat Spaß gemacht!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.