Bootsbau

Bist Du noch ganz dicht?

So eine Frage könnte man mir in der Tat stellen, im Jahr 2 meiner Karriere als “Profi-Skipper” und nun auch “Segellehrer”. Ich würde die Frage ab heute mit “wieder” beantworten. Denn bisher war mein Boot, die Segeljolle “Ixylon”, nicht ganz dicht. Es tropfte immer etwas Wasser während der Fahrt durch das altersschwache Lenzventil. 

Was ist Lenzen, was ist ein Lenzventil und wie funktioniert es? Lenzen ist der seemännische Begriff für “Wasser aus dem Boot bringen”. Zum Lenzen benutzt man bei Yachten Lenzpumpen. Vorgeschrieben sind auf seegehenden Yachten zwei voneinander unabhängige Lenzpumpen, eine elektrische und eine mechanische. Bei Jollen reicht ein Lenzventil oder auch Lenzklappen.

Lenzventil, so schaut's aus und so funktioniert's:

Bei einer Jolle vom Typ Ixylon sitzt das Lenzventil unter dem Rumpf (hier unter dem Boot von hinten nach vorne). Ist Spritzwasser im Boot, kann man das Ventil mit einem Hebel öffnen und das Wasser lenzen. Im geöffneten Zustand (so wie im Bild) strömt bei schneller Fahrt das Wasser unter der Jolle an dem Ventil entlang und erzeugt auf der Rückseite einen Unterdruck. So wird das Wasser aus dem Boot gesaugt. Ist die Fahrt voraus zu langsam, schließt man das Lenzventil, um zu verhindern, dass Wasser ins Boot eindringt. Liegt die Jolle dauerhaft im Wasser, muss das Ventil absolut dicht sein.

Das alte Lenzventil: Nicht ganz dicht!

Das Lenzventil stellt auf einer Ixylon-Jolle den einzigen Rumpfdurchbruch und damit die Achillesferse dar. Wasser kann sowohl an der Gummidichtung als auch an den Schrauben durchsickern. Die flache Platte in der Mitte des Bildes ist die Rumpfverbindung mit den Schraubenlöchern, links ist der Teil unter Wasser, rechts ist der Hebel mit dem das Ventil geöffnet, geschlossen und verriegelt wird.

Ideale Montagebedingungen: Scheune mit Kran

So ein Lenzventil zu tauschen ist im richtigen Arbeitsumfeld eine einfache Aufgabe: ideal ist ein Kran, um die Jolle hochziehen und seitlich neigen zu können. Dann benötigt man zwei Personen, um die Schrauben des alten Lenzventils zu lösen (Schraubenzieher unten, Steckschlüssel oben). Die Haftstelle ist gründlich zu reinigen und mit Schleifpapier leicht anzurauen (unten links). Anschließend kleistert man das neue Lenzventil großzügig mit maritimer Dichtungsmasse (z.B. Sikaflex) ein. Man steckt es anschließend von unten nach oben in die Rumpföffnung und zieht die Schrauben an.

Fertig! Alles dicht & klar zum Lenzen!
Lenzen?

Lenzen ist aber nicht nur ein seemännischer Begriff, sondern auch eine Kleinstadt an der Elbe in der Ostprignitz. Seit Jahren fahre ich durch den Ort wenn ich meine Eltern besuche und halte höchstens mal an der Tankstelle. Gestern habe ich mit meinem fertigen Boot auf dem Weg zurück nach Leipzig mal am Ortseingangsschild gehalten. Es gibt bei Lenzen übrigens auch einen See, den Rudower See. Dort segelt mein Vater mit seinem Boot. Ein Pirat mit der Segelnummer 28! (Bild rechts unten). Ein wahres Schmuckstück auf dem ich auch groß geworden bin. Mit Eiche-Mahagoni-Rumpf, Baumwollsegeln, Holzblöcken und Messingbeschlägen! Das Boot wurde 1953 gebaut, war 1955 DDR-Meister und wird seitdem liebevoll gehegt und gepflegt.  

Meinen Ixylon habe ich in Lenzen allerdings nicht gesegelt. Es ging weiter nach Leipzig zum Cospudener See. 

So, mit meinem frisch absolvierten  Sportseeschifferschein, klaren Vorstellungen von Segelreisen im Ionischen Meer und einem nun wirklich dichten Boot am Cospudener See kann’s nun losgehen.

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