Bootsmesse

Boot Düsseldorf

Boot Düsseldorf Skipper Mathias bei Bavaria

Die Boot in Düsseldorf als führende Bootsmesse weltweit öffnet Ihre Pforten und ich fahre hin. Es ist das erste Mal für mich. Die Beach&Boat in Leipzig habe ich als Aussteller schon mehrfach besucht und auch ein Mal die Hanseboot in Hamburg – Düsseldorf ist für mich neu. Na dann mal los!

Gedränge zu Beginn bei der Boot Düsseldorf am Samstag

Es ist eigentlich blöd an einem Samstag zur Boot nach Düsseldorf zu kommen. Heftig ist das Gedränge auf allen Gängen und ganz besonders bei den großen Serienherstellern: Bavaria, Hanseyachts, Jeanneau und Beneteau, die ich auch besuchen möchte.

Zunächst bin ich auch etwas sauer, dass offensichtlich auf den Gängen der Boot in Düsseldorf gedrängte Warterei herrscht, aber die Messestände und die Yachten leer aussehen. Die Hostessen wie z.B. bei Euphoria-Yachts haben eher die Aufgabe, die Besucher entweder von den Messe-Ständen zu halten, Adressen zu sammeln und Einzel-Termine zu vereinbaren statt Besucher auf die Stände zu locken. Da ich keine Lust auf die Warterei habe, bleibt erst einmal nur der Blick von außen.


Segelyachten mit Design, viel Glanz & Innovationen auf der Boot Düsseldorf

Auch der Blick als Zaungast auf der Boot Düsseldorf offenbart interessante Einblicke: polierte Oberflächen so weit das Auge reicht. Eine Doppel-Ruderanlage bei einer 30 Fuß Yacht wie der Beneteau? Ja so weit ist die Entwicklung der immer breiter werdenden Heckpartien schon! Und wenn der Hintern der Yachten immer breiter wird, müssen die Ruderanlagen doppelt ausgelegt und an die Seiten versetzt werden, damit bei Schräglage immer mindestens ein Ruder im Wasser bleibt.

Schöner Chine?

Dazu hat sich vor ein paar Jahren der Chine, ein Knick in der Heckpartie herausgebildet. Dieses aus der offshore Regatta-Szene kommende Design-Merkmal, welches die hochbordigen Yachten schlanker macht und für etwas mehr Platz im Innenraum sorgt aber vor allem für sehr breite Hecks verantwortlich ist hat sich immer mehr durchgesetzt. Diese Technik hat nicht nur Vorteile wie ich später handfest erfahre.

Jetzt auch am Bug?

Damit auch noch mehr Platz in den Yachten im Bug ist, gleichzeitig aber die im Wasser befindliche Fläche (benetzte Fläche) möglichst gering bleibt, wird bei Beneteau ein Knick auch in die Bugpartie übernommen. Ist das schön? Na ich weiß nicht!

Rund gelutschter Deckabschluss

Eine andere Umsetzung findet sich bei Italia-Yachts: mit dem abgerundeten Decksabschluss sieht die 12-Meter Italienerin etwas aus wie ein rund gelutschtes Bonbon. Dieses Designmerkmal ist ebenfalls aus dem Regattasport entnommen: durch die Runden Formen wird die Umströmung mit Wind und Wasser und damit auch die Fahrt weniger gebremst. Auch die Heckpartie mit einem etwas wie einen Entenarsch anmutenden Abschluss wirkt sonderbar.


Pirat vs. Foiler: Bootsdesign vor 80 Jahren und heute

Bei den großen Yacht-Herstellern herrscht immer noch Andrang, aber bei der Boot Düsseldorf gibt`s ja durchaus einige Themen rund um den Segelsport zu begutachten. Ich finde – und anhand des markanten Hecks erkenne ich ihn sofort, einen Pirat! Ich habe ja auf dem Pirat 28 das Segeln gelernt. Der “Pirat” ist eine Bootsklasse, welche in den späten 30er Jahren entwickelt wurde. Damals als reines Holzboot als Knicke im Rumpf noch durch die Konstruktion mit dem Werkstoff und nicht modischem Design geschuldet waren. Heute dominieren Piraten aus GfK und ein entsprechendes Exemplar ist auch bei der Klassenvereinigung ausgestellt.

Es gehört schon etwas Wind dazu, die “alte Dame” Pirat 28 (Baujahr 1953, gebaut aus Eiche und Mahagoni) aus dem Wasser und zum Gleiten zu kriegen. Immer schneller wurden seitdem die Segelboote. Vor allem mit dem Amerikas Cup 2013 setzen sich Foiles immer mehr im Boots- und Yacht-Design durch. Unter dem Boot befindet sich eine Tragfläche im Wasser, auch Hydrofoil genannt, welche bei höheren Geschwindigkeiten das Segelboot aus dem Wasser hebt. Durch den dann viel geringeren Wasserwiderstand beschleunigt das Boot rasant! Es fliegt!


Virtuelles Anlegen

Boot Düsseldorf virtuelles Manöver Trainung

Korfu Segeln bei der Boot Düsseldorf virtuelles Manöver Trainung

So jetzt will ich aber selber Hand auf der Boot in Düsseldorf anlegen und finde den Stand von XRNAUT bei dem man mittels VR-Brille, Steuerrad und Gasgriff eine Yacht virtuell in die Box einparken kann. Das finde ich ungemein spannend und praktisch! Nicht nur als Messe-Spielerei, sondern die Fahr-Eigenschaften des Simulators lassen sich auf viele verschiedene Yachten anpassen. Der Yachtcharter-Gast kann also am Simulator üben, bevor es ernst wird. Das ist vor allem für Charterbasen interessant, bei denen die Gäste vor der Übernahme der Yacht etwas das Handling üben können. Auch für Segelschulen in der SKS-Ausbildung macht die Technik Sinn.

Meine Übungsyacht hat`s in sich!

Und die Anpassungsmöglichkeiten sind erheblich: der Aussteller gibt mir eine 30 Fuß Yacht, was grundsätzlich nicht schwer ist. Allerdings mit sehr starken Rad-Effekt und Doppel-Ruder-Anlage! Das Problem bei zwei Rudern: man kann das Ruder nicht mit dem Wasser von der Schraube anströmen, das Ruder hat also nur Wirkung, wenn die Yacht in Fahrt ist. Eine Yacht so im Stand zu drehen ist praktisch unmöglich. Das ist der große Nachteil der Doppelruder-Anlagen! Und noch dazu bin ich es einfach nicht gewöhnt. Ich fahre virtuell eine Schramme in die Yacht. Da schätze ich doch die Yachten meiner Partner in Korfu mit moderateren Heckpartien und einzelnen dafür längeren Ruderblättern.


Vercharterer, Zubehör und Bekleidung

Ich schlendere weiter über die Boot Düsseldorf und schaue mir ein paar Vercharterer an, die ich auch von Korfu kenne, aber mit denen ich aus gutem Grund nicht als Yachtcharter-Agent zusammenarbeite. Mit anderen Worten: deren Yachten finden sich nicht auf dieser Webseite. Typischerweise ist es ja nicht nur Yachtcharter-Geschäft so: je größer eine Firma wird, desto mehr nutzt man die Marktposition gegenüber seinen Kunden aus. Viele Kunden schauen zuerst auf den guten Preis und auch auf eine bekannte Marke, welche es sich leisten kann, 5-stelligen Beträge für Stand-Gebühren an die Boot Düsseldorf zu überweisen. Das Geld wird über die Fußangeln und Fallstricke im Kleingedruckten verdient – nur das ist dann kein entspannter Urlaub mehr.

Ebenso wenig Entspannung im Urlaub macht häufig die Bordtoilette. Vor allem, wenn sie mit Papier gefüllt wird! Meine erste Sicherheitsbelehrung ist dann auch immer dazu: Niemals Papier ins Klo werfen! Ich plaudere etwas mit dem Aussteller, welcher noch etwas sauer ist, wegen eines Kunden, der es sinnvoll hielt, die billigste elektrische Toilette statt dem manuellen Pump-Klo`s in seine 40-Fuß Yacht einzubauen. Ein hundert gesparte Euro führten zu einem totalen Desaster auf einer Yacht für 6-stellige Beträge. Wenn es schon eine elektrische Toilette sein muss, dann sollte es schon etwas ordentliches sein. Die meisten Yachten, die ich kenne werden mit mindestens einem Pump-Klo ausgestattet. So penetrant der Vorgang auch sein mag: die manuellen Dinger sind einfach unanfälliger. Großer Andrang herrscht ebenso bei zahlreichen Textil- und Ausrüstungshändlern. Ein Gedränge dem ich mich zum Glück nicht hingeben muss.


Endlich Schiffe kucken auf der Boot Düsseldorf!

Es wird schon später Samstag-Nachmittag auf der Boot Düsseldorf und ich versuche es noch einmal bei den Großserien-Weften. Auf dem Weg zu den Ausstellern komme ich an einer sehr eigenwilligen holländischen Konstruktion vorbei: ein Daysailor aus Aluminium! Aluminium wird doch eigentlich für Langfahrt-Yachten eingesetzt, welche gerne in Polar-Regionen vorstoßen? Was soll das im Vergleich zu Kunststoff oder Holz eher schwere Material an einem Boot für den Tagesausflug, wo es darum geht, möglichst Gewicht zu sparen und schnell über den See zu heizen? Für alles gibt es eine Nische – und vielleicht hat diese Werft ja einen talentierten Verkäufer?

Boot Düsseldorf Aluminium auf einem Daysailor

Ich wende mich den Groß-Serien-Werften zu. Die langen Warte-Schlangen sind verschwunden und ich kann mir die Neuheiten endlich auch von innen ansehen.

Bavaria C57

Außen

Den Anfang macht die Bavaria C57. Am Heck ist eine Dingy-Garage und ein seitlicher Aufgang backbord von der Badeplattform zum Cockpit vorgesehen. Auf der anderen Seite lagert die Rettungsinsel. Mittig am Heck verfügt dieses Schiff über einen Gas-Grill mit Spüle daneben. Der frisch gefangene Fisch muss also weder das Deck noch den Innenraum vollstinkern. Die Tische im Cockpit sind per Knopfdruck hydraulisch zu heben und zu senken, wodurch eine ausgedehnte Entspannungs- und Lümmelecke entsteht.

Innen

Besonders gut gefallen mir auf Yachten wie hier der C57 immer Pantrys in U-Form mit viel Arbeitsfläche auf beiden Seiten. So kann der Smutje bei jedem Seegang sicher stehen und um sich herum auf den Arbeitsflächen arbeiten. Die restliche Crew kann den Smutje unterstützen, zureichen und fertig Zubereitetes zum Cockpit befördern. Die Anordnung ganz vorne im Salon finde ich auf der C57 etwas nachteilig. Die Wege zum Cockpit werden länger. Die Achter-Kabinen geraten durch die Dingi-Garage natürlich etwas enger, sind aber immer noch sehr üppig. Die überbreiten Hecks ermöglichen überhaupt erst den Einbau von Dingi-Garagen bei Booten dieser Größe.  Trotzdem: ich bin und bleibe ein Fan von Davids, bei denen das Beiboot einfach am Heck hochgezogen wird.  Die beiden Vorschiffs-Kammern haben die übliche im Charterschiffen gewohnte Größe.

Hanse 508

Als nächstes bei meinem Rundgang über die Boot Düsseldorf kommt die Hanse 508 an die Reihe. Auf einer 50er bietet die Gestaltung mit 4 Doppelkabinen wie zuvor üppige Platz-Verhältnisse. Was nicht weiter verwunderlich ist: eine Messe wie die Boot Düsseldorf zielt auf den Eignermarkt. Wer nicht nur eine Woche, sondern regelmäßig mit seiner Segelyacht unterwegs sein möchte oder gar ununterbrochen auf seiner Yacht lebt,  der legt mehr Wert auf eine Eigner-Kabine, in der man auch nach Wochen und Monaten keine Platzangst empfindet und alle persönlichen Sachen unterbringen kann.

Hanse 588

Direkt neben der 50er steht die Hanse 588, das Raumschiff der Werft aus Greifswald. Dabei ist vor allem die Eigner-Kabine im Vorschiff mit fürstlichem Platz hervorzuheben. Mit insgesamt 4 Rumpf-Fenstern kann der Eigner der 588 sich jeden Morgen neu aussuchen, aus welchem der Fenster er die Sonne aufgehen sehen möchte, während er noch im Bett liegt.

Boot Düsseldorf Hanse 588 Bugkabine als Master ausgebaut

Größer als das Vorgänger-Modell die 575 ist die 588 allerdings nicht. Tatsächlich verfügt die Hanse 588 über den gleichen Rumpf wie das Vorgängermodell, die Hanse 575, welche hier bei Korfu Segeln auch mit der VIA CON ME gechartert werden kann. Der wesentliche Unterschied zur Hanse 575 ist der riesige Targabügel, welcher zum festen Bimini-Top ausgebaut ist. Die Großschot wird damit außerhalb des Cockpits gehalten. Wie auf der C57 gefällt mir die U-Form der Pantry hier allerdings noch besser als bei der Bavaria, da direkt am Niedergang.

Jeanneau 64

Das größte Schiff, welches ich gestern bei der Boot Düsseldorf betreten habe, ist die Jeanneau 64. Während bei den anderen großen Yachten nur eine große Kabine eingerichtet ist, und die restlichen im üblichen Charter-Format sind, finden sich hier 2 große Kabinen. Im Achterschiff ist die Master-Kabine über die gesamte Breite, welche auch nicht von der dahinter befindlichen Dingi-Garage beengt wird. Auf 64 Fuß hat man nun wirklich keine Mühe alles unterzubringen.

Boot Düsseldorf Jeanneau 64 Masterkabine Heck

Boot Düsseldorf Jeanneau 64 Dingi Garage

 

Fazit der Boot Düsseldorf:

Lohnt sich ein Besuch der Boot Düsseldorf? Es kommt drauf an: Was man sucht und wann man kommt! Was sich weder für die Werften noch für den Besucher lohnt, ist der Besuch von Charter-Interessenten, welche sich neue Yachten der Großserienhersteller ansehen, um eine Entscheidung für den nächsten Charter-Törn zu treffen. Das Ziel der Werften und der dafür angestellten Verkäufer ist es, die Yachten an potentielle Eigner zu verkaufen. Dabei sind weder Yachten für den Charter-Markt vor Ort, noch haben die Werften ein gesteigertes Interesse daran, diese Klientel, die ohnehin nicht kaufen möchte, auf ihre Yachten zu pressen. Wer sich ernsthaft mit dem Kauf einer Segelyacht beschäftigt, sollte eher innerhalb der Woche kommen.  Dann kann er sein neues Traumschiff mit allen Gestaltungsoptionen mit den durchaus geschulten Händlern besprechen. Wer sich wie ich einen Marktüberblick verschaffen, Neuheiten wie die Hydro-Foiler aus der Nähe sehen  oder auch wie ich neue Techniken wie den VR-Yacht Training Simulator kennen lernen möchte, der ist auf der größten Wassersportmesse genau richtig. Ich konnte immerhin am späten am Nachmittag zu den Traumschiffen vordringen und war nach einem Schwatz mit den Experten der Werften auch happy.

 

 

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